Corvin Castle in Hunedoara, Transsylvania.

Hunedoara – Burg Corvin

Ich hab euch schon im letzten Blogpost von unserem 13-Tage-Roadtrip durch Rumänien und Bulgarien erzählt! Am Ende sind wir gerade in der Nähe von Sibiu auf unserem Campingplatz angekommen. Weiter geht es jetzt am nächsten Morgen, da ging es schon recht früh los. Unser Ziel: Die Burg Corvin in Hunedoara. Unsere rumänischen Freunde haben uns von der Stadt Hunedoara selbst eher abgeraten, da es einerseits kaum etwas zu sehen gibt und die ehemalige Stahlstadt mittlerweile stark verarmt ist. Mihail meinte sogar, dass die Leute dort extrem unfreundlich und aggressiv zu Touristen sein können. Wir fahren also einfach nur zur Burg, welche fast mitten in der Stadt liegt und eine ziemliche Touristenattraktion ist. Die Burg wurde in mehreren Etappen auf- und umgebaut und beherbergte von Johann Hunyadi über Matthias Corvinus verschiedenste Könige und Feldherren. Der Architekturstil der Burg ist eigentlich kaum zu beschreiben, da sich die verschiedenen Elemente aus unterschiedlichsten Zeiten nicht in einen Stil pressen lassen. Insgesamt wirkt das Gebäude auf mich irgendwie unecht und falsch, weil man auch als Laie merkt, dass sich hier nicht alles im Originalzustand befindet. Wenn ihr Interesse an Burgen habt, ist die Burg Corvin auf jeden Fall spannend – vor allem aufgrund der Größe und der gut erhaltenen, imposanten Hallen im Inneren. Was uns etwas gestört hat, waren die Infos, die man an den verschiedenen Tafeln ablesen konnte. Es ging meist eher um Geschichten, als um tatsächliche historische Fakten. Ein Problem, welches auf unserer Reise immer wieder aufgetreten ist.

Things to do in Hunedoara

  • Naja, da ist eben vor allem die Burg.
  • Bei Interesse an Burgen und dem Mittelalter – auf jeden Fall eine Empfehlung (+ es gibt Studentenrabatt!)
  • Wir haben ca. 2 Stunden dort verbracht!
An old window at Corvin Castle.
Corvin Castle, an old castle in Hunedoara, Romania.

Sibiu – Die vielleicht schönste Stadt unserer Reise!

Nach unserem kurzen Besuch der Burg Hunedoara geht es zurück nach Sibiu (zu deutsch Hermannstadt). Nachdem wir bereits zweimal durch die Stadt durchgefahren sind, wird es jetzt endlich Zeit auch wirklich die Innenstadt zu erkunden. Schon vom Durchfahren haben wir uns gedacht, dass Sibiu echt nett aussieht und wir sollten Recht behalten. Da wir nicht wirklich wissen, was es in der Stadt alles zu sehen gibt, starten wir einfach mal drauf los und man kann eigentlich gar nichts falsch machen. Die kleinen Gassen und bunten Häuser in der recht großen Altstadt sind allesamt wunderschön! Nachdem uns ein Freund empfohlen hat, dass wir unbedingt auf den Turm der evangelischen Kirche raufmüssen, machen wir das auch gleich. Die endlosen, etwas instabil wirkenden Stiegen sowie die rund 50 Cent Eintritt lohnen sich wirklich! Wir verbringen fast eine halbe Stunde oben am Turm, einfach weil ich aus allen möglichen Perspektiven Fotos mache (hat auch niemand behauptet, dass es einfach ist mit einem Fotografen zu verreisen!!). Neben der wunderschönen Altstadt von oben hat man vom Turm auch guten Blick auf die orthodoxe Kathedrale, die wir davor noch nicht kannten. Da sie von außen richtig imposant wirkt, beschließen wir sie gleich zum nächsten Ziel zu machen. Ein paar Minuten Fußweg später erreichen wir die Dreifaltigkeitskathedrale (Catedrala Sfânta Treime) und wow! Es ist zwar gerade eine Messe im Gange und wir können nicht wirklich lange bleiben, aber der Innenraum ist wirklich beeindruckend. Und das sage ich als Nicht-Kirchen-Fan. Wir verbringen den Rest des Abends noch in der Innenstadt, auf der Suche nach Essen machen wir dann etwas, was ich sonst nie tue: Wir verlassen uns auf tripadvisor! Und das Schlimmste: Es war auch noch wirklich gut! Das am besten bewertete Gasthaus in der Stadt ist ein traditionelles Lokal in einem Keller, inklusive rumänischer Volksmusik und wirklich gutem Essen. Wer hätte das gedacht! Nach viel zu viel Fleisch, Käse und Polenta verabschieden wir uns von Sibiu und machen uns auf den Weg zurück zu unserem Campingplatz.

Things to do in Sibiu

  • Einfach durch die Stadt spazieren und die Altstadt genießen – die bunten Häuser zeigen euch den Weg ganz von alleine.
  • Unbedingt auf die evangelische Kirche rauf! Der Eintritt zum Turm kostet rund 50 Cent und lohnt sich total!
  • Die Dreifaltigkeitskathedrale (Catedrala Sfânta Treime) hat uns auch sehr beeindruckt.
  • Ich empfehle auf jeden Fall 1 vollen Tag zu bleiben, hier gibt es einiges zu sehen.
The entrance to the old town of Sibiu.
One of many churches in Sibiu, Romania.
The old town from Sibiu as seen from above.
Sibiu as seen from the church tower of the Lutheran cathedral.
The Holy Trinity Cathedral as seen from a tower.
Inside the Holy Trinity Cathedral.
A man crossing an empty square at sunset in Sibiu.
Long shadows at sunset at the main square in Sibiu's old town.

Bran – Lasst euch nicht reinlegen!

Am nächsten Tag gings wieder ein bisschen länger auf die Straße. Unser erster Halt des Tages ist das 3 Stunden entfernte Bran, wo das Dracula-Schloss steht. Naja, eigentlich steht dort nur ein nett anzusehendes Schloss, in welchem das historische Vorbild von Bram Stokers Dracula, Vlad Draculea, einmal übernachtet hat. Die Geschichte, dass dies sein Heimatschloss war und er dort gewohnt hat, dürfte einfach nur erfunden sein. Urkundlich belegt ist sie jedenfalls nicht, da kommt das Schloss Poneari schon näher heran. Da Bran aber mehr oder weniger am Weg Richtung Bukarest liegt, fahren wir vorbei. Besser gesagt stauen wir uns vorbei, denn die Stadt ist gerammelt voll mit Touristen. Wir brauchen rund eine halbe Stunde durch das 9000-Einwohner-Städtchen und beschließen, dass wir uns die Burg nur von außen ansehen. Sowohl online als auch offline wurden wir mehrmals davor gewarnt, dass es sich bei Bran nur um eine Touristen-Attraktion handelt und man ziemlich abgezockt wird. Genau so sah das für uns auch aus, deshalb haben wir ein paar Fotos von außen gemacht, sind kurz zu Fuß Richtung touristisches Epizentrum gegangen und – nach einer deftigen Eierspeis im Wohnmobil – wieder weitergefahren. An dieser Stelle auch noch ein Dank an die italienischen Camper, die neben uns geparkt haben und uns einfach so eine Tafel Schokolade geschenkt haben. Mille Grazie!!

Things to see in Bran

  • Nicht viel.
  • Das Schloss sieht von außen ganz nett aus.
  • Ganz ehrlich, spart es euch einfach. Dracula hat hier vielleicht einmal übernachtet, gewohnt hat er jedenfalls woanders.
  • Ihr braucht rund 1 Stunde, auch wenn ihr gar nicht ins Schloss selbst rein möchtet.
Bran castle as seen from the distance.
Bran castle as seen from the outside.

Bukarest – Ceausescus Spielplatz.

Nächster Halt, next stop: Bukarest. Von Bran nach Bukarest muss man eigentlich nur ungefähr eine Stunde auf einer Autobahn-Zubringerstraße entlangfahren und dann geht’s gradewegs in die Hauptstadt Rumäniens. Wäre ja auch zu einfach, deshalb stehen wir erstmal 1 1/2 Stunden im Stau. Während der Kollege vor uns die Kühlmaßnahme „Ich-fahr-ab-jetzt-mit-offenen-Türen“ ergreift, freuen wir uns wirklich sehr über unsere Klimaanlage. In Bukarest gibt es nur ein kleines Problem – der nächste Campingplatz ist rund eine Stunde außerhalb, das würde uns sehr unflexibel machen und einiges an Zeit kosten. Wir beschließen daher kurzerhand, dass wir uns ein Hotel in der Innenstadt suchen. Jetzt heißt es nur noch ein Hotel finden, welches einen Parkplatz hat, der keine Tiefgarage ist und Platz für ein 7,32m langes Wohnmobil hat. Klingt gar nicht so einfach, ist es auch nicht. Die beste Variante ist schlussendlich alle bekannten Hotelmarken durchzugehen und auf Google Maps nach einem Parkplatz zu suchen. Wir finden schlussendlich ein Hotel direkt neben dem Parlamentspalast und fahren in diese Richtung. Apropos Fahren: Bukarest ist wirklich eine witzige Stadt um Auto zu fahren. Rumänen fahren ja generell schon ein bisschen extravagant (Stichwort: Bremsen gibt’s net), in Bukarest kommt noch die „Zweite-Spur-Regel“ dazu. Diese Regel besagt scheinbar, dass man in der rechten Spur vor allem eines macht: Parken. Das ist besonders toll, wenn es meistens zwei Spuren gibt und man mit einem manövrierunfähigen Wohnmobil unterwegs ist. Spaß garantiert! Wir schaffen es irgendwie lebendig zu unserem Hotel und nach kurzer Schrecksekunde, weil der Rezeptionist meint, das mit dem Wohnmobil wird eher nichts, haben wir endlich einen Parkplatz (oder zwei, danke Parkwächter). Nachdem es schon ziemlich spät ist, machen wir uns auf den Weg in die Altstadt, die bei Nacht direkt zum Partyzentrum wird. Es gibt eigentlich nur Restaurants und Bars, wir nutzen die Gelegenheit und integrieren uns bei ein paar Bierchen.

Am nächsten Morgen geht es schon wieder früh los, da wir die erste Tour durch den Parlamentspalast gebucht haben. Das ehemals als Haus des Volkes bezeichnet Gebäude ist nach dem Pentagon das zweitgrößte administrative Gebäude der Welt und wurde nach den Ideen des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu gebaut. Die Fertigstellung des riesigen Komplexes gab es erst 1998, da war Ceausescu längst hingerichtet (1989) und hat damit seinen irrwitzig riesigen Palast nie fertig gesehen. Während der Führung erfahren wir, dass das Gebäude auch heute noch nicht wirklich fertig ist, da in einigen Teilen noch gebaut wird. Heute wird der Palast vor allem als Konferenzzentrum genutzt und die einzelnen Säle werden vermietet. Die Führung selbst ist auf jeden Fall zu empfehlen, da man das Innere des Gebäudes sieht. Unser Tourguide ist auch sehr bemüht,  jedoch gibt es vor allem Zahlen zu den verwendeten Materialien und verbauten Mengen, kritische Fakten zum Diktator Ceausescu und vor allem zu dessen städtebaulichen Ideen gibt es kaum.

Das ändert sich am Nachmittag abrupt als wir den Instagramer Cristi (@raidenbucharest) treffen. Der ist nämlich nicht nur leidenschaftlicher Fotograf, sondern beschäftigt sich auch mit der Stadt Bukarest selbst. Haupt-Themengebiet: Die Veränderungen der Stadt nach dem Erdbeben von 1977. Oder besser gesagt, die Zeit als Nicolae Ceausescu merkte, dass er Baumeister spielen kann. Wie uns Cristi erklärt, als wir die älteste Händlerstraße der Stadt entlanggehen, hat Ceausescu den Anlass und die Zerstörung genutzt, seine Stadt „ein bisschen“ zu verändern. Nach rund 100 Metern entlang der alten Straße stehen wir schon vor dem ersten von vielen Hochhäusern, die uns den weiteren Weg versperren. Ohne auf die existierende Infrastruktur Rücksicht zu nehmen, hat Ceausescu einfach Gebäude abreißen lassen und gebaut, was er wollte. Dazu gehört neben dem Parlamentspalast vor allem der Bulevardul Unirii, der in Anlehnung an die Champs Elysee errichtet wurde. Der Prachtboulevard ist breiter als sein Vorbild und fast doppelt so lang. Wir queren die Prachstraße, so wie die alte Händlerstraße früher verlaufen wäre. Cristi berichtet uns auch, dass während Ceausescus Umbauten nicht nur Häuser und Kirchen dem Erdboden gleich gemacht wurden, sondern auch Gebäude verschoben worden sind. Tatsächlich wurde zum Beispiel die Kirche Schitul Maicilor einfach um 100 Meter verschoben! Ein Betonring wurde um das Fundament, welches vorher freigelegt wurde, gegossen und dann wurde das gesamte Gebäude auf Schienen gelegt und Millimeter für Millimeter verschoben. Irre! Die alte Händlerstraße, die einst eine der reichsten und schönsten Straße war, ist heute komplett verfallen und von der Stadt abgegrenzt, weil alle 100 Meter riesige Plattenbauten in den Weg gestellt wurden. Auf jeden Fall eine sehr spannende Erfahrung, Cristi war voll in seinem Element und erzählt uns fast zu jedem Gebäude eine Geschichte. Falls ihr mal in der Gegend seid, schreibt ihm eine Nachricht – definitiv der beste Tourguide den man in Bukarest kriegen kann!

The front side of the Palace of the Parliament.
The multiple fountains in front of the Palace of the Parliament.
A classic building in Bukarest.
The riverside of the dambovita river in Bucharest.
The Bulevardul Unirii - Bucharest's answer to Champs Elysees.
The unfinished palace of Elena Ceausescu.

Als nächstes führt uns Cristi noch zum Lacul Morii, einem Stausee im Nordwesten der Stadt. Hier gibt es eine künstliche Insel, die eigentlich für Sportveranstaltungen angelegt wurde, jedoch nie zum Einsatz kam. Heute finden sich noch Teile der angelegten Gebäude und Sportstätten, die wirken als würden sie direkt aus der Antike kommen. Erbaut allerdings im Jahr 1980. Die ärmere Bevölkerung, die in dieser Gegend wohnt, nutzt die Insel hin und wieder als Bademöglichkeit, viel Betrieb ist allerdings nicht. Am Abend zeigt uns Cristi noch eines seiner Lieblingslokale, das Modelier. Hier handelt es sich um einen Hipster-Burgerladen, der definitiv ein Geheimtipp ist, weil er weit abseits der Innenstadt liegt. Das Essen ist wirklich hervorragend und die Atmosphäre auch total nett. Man erwartet nicht, dass zwischen verfallenen und teilweise leeren Häusern plötzlich ein Hipster-Lokal im Hinterhof ist.

Things to see in Bukarest

  • Die Altstadt ist mehr Partyzentrum als klassische Altstadt, am Abend voll in Ordnung, wenn man auch mal mit touristischeren Bars und Restaurants klarkommt!
  • Die Tour durch den Parlamentspalast ist ihr Geld wert, allerdings muss man die spannenden Hintergrundfakten selbst recherchieren. Die Tour dauert rund 2 Stunden und ist nicht gerade billig, aber es ist halt auch das zweitgrößte administrative Gebäude der Welt. Reservierungspflicht!
  • Schreibt @raidenbucharest und fragt ihn, ob er euch die Stadt zeigen kann. Definitiv ein toller Guide!
  • Man braucht auf jeden Fall mehr Zeit, um alles in Bukarest zu sehen. Wir reisen mit dem Gefühl ab, dass wir noch 2-3 Tage gebraucht hätten.
  • Modelier: Wirklich nettes Burgerlokal in der Strada Duzilor.
  • Minimum 2 Tage um das Meiste zu sehen. Ich würde eher 3-4 Tage einplanen, da gibt es auf jeden Fall noch einiges zu entdecken.
A gypsee housing in Bucharest.
Nature in Bucharest, Romania.

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